Was so los ist…

Vielleicht… ich traue mich fast nicht, den Funken Hoffnung zuzulassen… vielleicht wird es doch irgendwann dieses Jahr, und noch viel vielleichter vor Oktober, etwas mit Testosteron werden.

Ich hatte letzten Dienstag den 2. Termin bei einem Therapeuten (nicht trans* erfahren) der gleich in der ersten Stunde (in der Woche vor Fasching) nachfragte, mit welchem Pronomen er über mich denken/schreiben solle und von da an auch konsequent die männliche Formen im Bezug auf mich verwendet. Außerdem sprach er von mehreren Geschlechtern und von Geschlechtsangleichung (nicht Geschlechtsumwandlung). Sprich er hat gleich beim Erstgespräch mal Punkte bei mir gesammelt.
Und er möchte die trans*-Begleittherapie mit mir machen, obwohl er das noch nie gemacht hat – bisher nur zwei trans*-Personen hatte, die beide schon ziemlich weit auf ihrem Weg waren.

Ich vertrau ihm, die Chemie stimmt. Haben schon über einiges gesprochen und „Hausaufgabe“ hat er mir auch schon gegeben. Es fühlt sich stimmig an. Ich denke, wir können gut zusammen arbeiten und er scheint einer Zusammenarbeit auch nicht abgeneigt, er hat sich schon etwas Gedanken gemacht, wie er den Antrag an die Krankenkasse stellen kann, da ich ja direkt von Kinder-/Jugendtherapie (Tiefenpsychologie) zur Erwachsenentherapie (Verhaltenstherapie) gewechselt bin bzw. wechseln möchte.

Ich habe Hoffnung, viel Hoffnung, dass es irgendwann bald mal etwas voran geht.
Zeigt sich auch in Träumen, die sich andauernd irgendwie um Testo, Passing und Mastek (und manchmal sogar geschlechtsangleichende OPs) drehen.

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Das neue Semester steht vor der Türe und ich bin am Überlegen, ob/wie/wann ich mich bei meinen Dozenten oute. Am Freitag habe ich einem „Beratungsdozenten“ eine Mail geschrieben, ob er Bescheid weiß, wie es bei mir an der Hochschule mit Namensänderung auf Anwesenheitslisten ohne offizielle Dokumente auf diesen Namen (also ob ich mich dort mit männlichem Namen eintragen kann) aussieht – er wusste nicht Bescheid, wie ich schon vermutet hatte – damit mich Dozenten männlich ansprechen. Bezüglich der Anrede meinte er, ich solle mit den Dozenten direkt reden (was ich eh irgendwie schon vorhab) und bot mir auch an, dass er das übernehmen würde, wenn ich möchte. (Hab abgelehnt.)
Also mal sehen, wie/wann ich den Dozenten (sind zum Glück nur vier) eine Mail schreibe, mit der Bitte, mich männlich anzusprechen, auch wenn ich in Listen etc. mit weiblichem Namen eingetragen bin. Hoffentlich nehmen das alle gut auf…

Wie ich’s dann bei Kommilitonen machen werde, weiß ich noch nicht. Wird auch etwas drauf ankommen, wer so gemeinsam mit mir in den Kursen ist (ob die mich schon kennen etc) und wie viel ich mit denen zu tun haben werde… Ich hab etwas Angst…

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Ich hab gestern endlich die Sammelbestellung bei gc2b aufgegeben, nachdem die letzten Wochen immer mind. einer der Binder-Modelle, die ich bestellen wollte, ausverkauft waren. Und das, obwohl ich nur zwei verschiedene wollte – einmal drei Stück und einmal nur einen einzelnen.
Die sollten also auch in den nächsten zwei Wochen oder so kommen. Dann hab ich endlich einen zweiten Binder (noch einen hautfarbenen zu dem schwarzen dazu).

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Vorletzte Woche war ich im Familienurlaub und es war echt okay. Also landschaftlich super schön und toll (Island) 🙂 und familiär auch echt okay, obwohl das ja so ein Thema für sich ist… Und es auch immer noch nicht den Anschein macht, also würde sich irgendwas ändern..

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So, jetzt hab ich einen gefühlten Roman geschrieben, der wahrscheinlich auch mittelprächtig chaotisch ist, und finde keinen runden Abschluss… Dann muss es halt ohne gehen…

Passt auf Euch auf!

Verletzend. Mal wieder…

Content Note: Gegenderte Kleidung.
Ich stehe hinter „Kleidung hat kein Geschlecht!“ und greife hier nur das metaphorische Bild meiner Mutter auf.


„Dann wirst du möglicherweise doch noch im rosa Tutu rumlaufen.“
Das offenbarte mir meine Mutter gerade zusammen mit dem Abgebot, dass sie und mein Vater mich selbstverständlich unterstützen, wenn ich das bei der neuen Therapie möchte.
Was die Reaktion darauf war, dass ich heute Nachmittag erzählte, dass ich morgen bei einem Therapeuten ein Erstgespräch habe (ist zwar schon das zweite, aber so genau muss sie’s ja nicht wissen).

Autsch. Das tat weh. Mal wieder.
Sie versuchen es immer noch nicht mal ansatzweise zu akzeptieren – nach bald zwei Jahren.

Ich werde nicht im rosa Tutu rumlaufen, ich arbeite auf Bart, Anzug und Krawatte hin. Mein Entschluss steht fest, es geht nicht anders. Und daran werden auch sämtliche verletzende Kommentare meiner Mutter nichts mehr ändern! Ich hab mich für das Leben und damit auch für diesen Weg und eine Transition entschieden. Punkt.
Und genau deshalb ging es in der ersten probatorischen Sitzung auch um Hormontherapie, OPs, Outings, Namensänderung und ähnliches.

Verletzen tun solche Kommentare und Aussagen trotzdem. Auch noch nach bald zwei Jahren, und fast täglich bis mehrmals täglich in den letzten Monaten.

Wohnen.

Momentan spüre ich wieder, dass meine aktuelle Wohnsituation alles andere als gesund ist. Der Wunsch, hier weg zu kommen, zerfrisst mich allmählich innerlich. Und gleichzeitig kommt wieder die beherrschende Angst mit hoch. Ich weiß, woher diese Angst rührt und welchen Zweck sie hat, kann sie aber nicht überwinden.
Also sitz ich nur mal wieder mit nassen Augen vor meinem Laptop und diversen Immobilienseiten und blättere durch Wohnungs- und WG-Angebote, während der Kloß in meiner Brust immer größer wird. Und weiß nicht, wie ich da raus kommen soll, weil es nur eine Entscheidung zwischen Pest oder Cholera gibt…

Bahnhöfe.

Anonym.
Einer von so vielen hier.
Wartend.
Manche eilen.
Ich nicht.
Herkunft und Identität unwichtig.
Einfach Sein.
Hier sein.
Kunde sein.
Ich sein.

Mensch sein.

Einer von vielen.
Untergehen in der Menge.
Manchen auffallen.
Flüchtige Blicke abbekommen.
Selbst beobachten.
Wahrnehmen.
Wahrgenommen werden.
Da sein.
Und da sein dürfen.
Nicht rechtfertigen müssen.

Mensch sein.

Einer von vielen.
Mit unterschiedlichen Zielen.
Unterschiedlicher Herkunft.
Und verschiedenen Beweggründen.
Warten.
Anonym.
Und trotzdem hier.
Ruhig sein.
Einfach Sein.
Mitten in der Menge.

Ich sein.

Schuhkarton.

Während manche versuchen, die Scherben zusammen zu kehren und mit viel Sekundenkleber wieder zusammen zu kleben, hab ich mir was neues gesucht, das so ganz neben her noch farbenfroh schillert und (unter)stützend ist. Und egal wie viel Sekundenkleber sie verwenden, daran werden sie nie mehr hin kommen.

Eigentlich werfe ich ungern Dinge weg, und so wirklich weggeworfen hab ich sie auch noch nicht. Aber in einen Schuhkarten gesteckt und in die Ecke geschoben. Wo ich mir jetzt regelmäßig den Zeh dran stoße. Aber das ist okay, denn irgendwann werde ich einfach Schuhe mit Stahlkappen tragen und dann irgendwann den Karton rausschmeißen.

Und jetzt darf es so sein, wie es ist. Ich habe andere Menschen um mich rum, die hinter mir stehen, mir die Hand geben und mich auffangen, wenn ich es brauche. Und darüber bin ich so unendlich froh und dankbar, dass der Schuhkarton meistens einfach nur anwesend ist, mehr aber auch nicht. Und manchmal verfluch ich ihn, wenn ich mal wieder dagegen gelaufen bin. Und manchmal spechte ich vorsichtig unter den Deckel, mit der leisen Hoffnung, dass sich der Inhalt vielleicht ein wenig verändert haben könnte. Hat er bisher nicht. Und ob er es noch tun wird, steht in den Sternen.

Und dann mach ich den Deckel wieder zu, schlucke die Enttäuschung herunter, besinne mich, dass ich das da drinnen gar nicht unbedingt brauche und konzentriere mich auf das außerhalb, die Menschen, die mir gut tun.

Bouldern

Einen Griff nach dem anderen,
einen Schritt nach dem vorherigen.
Abrutschen, fallen lassen.
Landen. Auf beiden Füßen.
Die Route nochmal ansehen.
Die Griffe und Schritte durchdenken.
Nochmals versuchen.
Und weiter kommen.
Immer eins nach dem anderen.

Oben ankommen.
Die Route gemeistert haben.

Irgendwann mit brennenden Händen aufhören für diesen Tag.
Duschen gehen.
Jeden einzelnen Muskel spüren.
Und richtig gut fühlen.

Funktionieren vs. Leben

„Funktionieren kannst du gut, das musst du nicht mehr üben.“

Und gerade merke ich mal wieder, wie sehr meine Therapeutin mit dieser Aussage recht hat.

Die letzte Woche bestand aus mehr richtig-scheiß-Tagen als okay-Tagen, und trotzdem hab ich es irgendwie geschafft, mich zusammenzureißen und auf die vier Prüfungen an Freitag, Montag und Dienstag zu lernen. Es ging. Erstaunlich gut sogar.

Und jetzt wird es wieder schwerer. Erst nächsten Mittwoch die nächste und letzte Prüfung. Ich hab ein bisschen Pause. Und genau daran scheitere ich. Es gibt gerade nichts mehr, bei dem ich schlichtweg nur funktionieren muss. Und schon wird es wieder düsterer…

Ich scheitere am richtig Leben – nicht richtig als Gegenteil von falsch, sondern richtig im Sinn von mit allen Sinnen.

Denn, funktionieren kann ich. Besser als nötig sogar. Meistens.

Videos.

Das ist es also.

Die Zeit rennt weiter und ich bleib stehen. Möchte viel lieber rückwärts gehen.
‚fast backwards‘ drücken und die letzten Jahre rückwärts zerpflücken.
Wie vor einer alten Videokassette sitz ich da mit der Zigarette.
Und warte auf bessere Tage.
Morgen weiß ich dann keine Antwort auf jede Frage.
Und während die Menschen rückwärts galoppieren, beginne ich zu akzeptieren:
Was geschehen ist, war ziemlicher Mist.