Exkursion

Ich bin auf einer Exkursion zusammen mit 9 Kommiliton*innen und muss sagen, dass ich positiv überrascht bin, wie gut es klappt. Wir haben den Abend gemeinsam verbracht, es stand die Geselligkeit im Vordergrund, und nicht das Saufen wie ich befürchtet habe.
Ich bin mit zwei Mädels auf einem Zimmer und unsicher, was ich davon halten soll. Es gefällt mir nicht so sonderlich, ist aber denke ich besser als mit den Jungs. Ich bin nicht geoutet… und es wäre arg komisch. Und eben, weil ich nicht geoutet bin, sprechen mich alle natürlich auch weiblich und mit Mädchennamen an… was etwas weh tut, v.a. nach den 5 Tagen anderes.

Arrrgs.

Irgendwie bekomme ich meine Gedanken und Gefühle zur Zeit überhaupt nicht geordnet…

Die Aussage meiner Eltern, dass ich nicht trans* sei, sondern irgendein Trauma o.ä. habe und mich dadurch so fühle wie es nun mal eben schon seit gut zwei Jahren der Fall ist, macht mich immer noch fertig. Seit mittlerweile fast drei Wochen.

Eigentlich wollte ich versuchen, meine Gedanken/Gefühle zu ordnen, indem ich aufschreibe, was ich möchte, was ich nicht möchte und wo ich Zweifel hab… Aber ich dreh mich bei jedem Punkt im Kreis zwischen „möchte ich das wirklich“, „das hab ich mir doch nur eingeredet“, “ will ich das nur um wirklich trans* zu sein“ und „ich muss doch so wie’s jetzt ist auch leben können“.

Hilfe… Ich würde mich gerade am liebsten irgendwo verkriechen und vor dem ganzen Gender-Zeug verstecken. Die Konfrontation damit gerade, weil ich die nächsten Tage bei zwei Trans*-Personen wohne und wir morgen auf einen CSD gehen, macht’s nicht besser. Im Gegenteil. Ich weiß einfach nicht, was ich noch denken/fühlen soll. Mir geht es nicht gut, wenn ich trans* versuche auszuklammern was nicht wirklich klappt, aber irgendwie gerade auch nicht, wenn ich es annehme wahrscheinlich auch, weil ich da dann immer meine Eltern im Hinterkopf habe.

Ach.. Das ist doch zum Ko….!

Baden

Ich war heute das erste Mal zusammen mit einem Kumpel an einem See in Badeshorts und quasi oben–ohne, also nur getaped. Und es tat richtig gut. 🙂 Ein paar Blicke habe ich bemerkt, hauptsächlich von Kindern, was mich aber nicht weiter gestört hat.
Jetzt bin ich zwar ziemlich kaputt, weil es doch recht anstrengend war, v.a. da meine Toleranzgrenze, was Beschäftigung und Menschen betrifft, in den letzten Tagen ziemlich niedrig ist, aber es tat gut. Und ich bin froh, dass ich das Treffen nicht abgesagt habe, obwohl ich letzte Nacht miserabel geschlafen hab und es heute Vormittag wirklich fast angesagt hab…

Wer und was bin ich?

content note:
Im dritten Absatz Erwähnung von Suizid und Selbstverletzung.

Die Identitätskrise wird langsam aber sicher zu einer ausgewachsenen Existenzkrise…

Heute Nachmittag dachte ich noch, ich hätte mich ein Stück weit wieder gefunden. Ich war glücklich über die wenigen Bartsroppeln an meinem Kinn und irgendwie auch über die bottom dysphoria, die zwar anstrengend war, aber mir irgendwie gezeigt hat, dass ich die letzten zwei Jahren nicht komplett falsch gefühlt und gelebt habe. Ich hab ziemlich lange in Erwägung gezogen, mit Packer das Haus zu verlassen, mich dann aber doch dagegen entschieden, weil ich mir zu unsicher war und Angst hatte, dass es komisch aussieht. Es wäre das erste Mal mit Packer außer Haus gewesen.

Vorhin hab ich dann in einem Anflug von Selbsthass und irgendwie Wut oder so sämtliche Stoppeln mit der Pinzette einzeln ausgerissen. Und jetzt sitz ich auf dem Bett, weiß nicht wohin mit mir und versuch, nicht heulend zusammen zu brechen und mir nicht die Arme oder sonst was aufzuschneiden oder schlimmeres.
Ich hab gerade keinen blassen Schimmer, wie ich den CSD nächstes Wochenende überleben soll (Menschenmengen, von anderen gesehen werden, Konfrontation mit trans* und LGBTQ generell, als Junge gesehen werden). Noch weiß ich, wie ich anschließend den Urlaub mit der Familie überstehen soll – als Mädchen/Frau gesehen und behandelt werden,… Ich möchte gerade einfach nur noch die Zeit um ca. 2,5 Jahre zurück drehen auf den Zustand, bevor ich das ganze Thema Trans* (für mich) entdeckt habe. Lieber Selbstverletzung und Suizidgedanken ohne Identitätskrise als beides und zusätzlich noch den ganzen Identitätsmist… Ich kann nicht mehr…

Interessant…

Ich hab seit 11 Tagen kein Testo mehr genommen, aber definitiv mehr Bartstoppeln am und unter dem Kinn, die zwei Tage nach dem Rasieren auch schon wieder sehr deutlich spürbar und auch gut sichtbar sind bei genauerem Hinsehen, und ich hab definitiv mehr Pickel auf dem Rücken… 🤔

Äußerst interessant 😀 Aber ich hab nichts dagegen und freu mich sogar, was eigentlich ja ein Zeichen dafür sein könnte, dass der trans*-Weg eben schon richtig ist für mich(?). Arrgs… Ich hör auf, da jetzt drüber nachzudenken, sonst kann ich mir Schlafen gleich abschminken…

Loch.

Ich weiß nicht mehr, wo mir der Kopf steht… Seit einer Woche hab ich das Gefühl nur noch vor mich hin zu existieren. Ich schlafe 10-12h und bin spätestens 3h nach dem Aufstehen wieder total kaputt, und das obwohl ich nichts mache außer vor Laptop und Handy zu hängen und durch tumblr u.ä. zu scrollen. Ich habe zu nichts Lust, möchte niemanden sehen und bin gelangweilt ohne Ende und genervt von meiner schlechten Laune, hab aber nicht die Kraft, dagegen was zu unternehmen…

Das Gespräch mit meinen Eltern hat mich total aus der Bahn geworfen. Ich weiß nicht mehr, wer ich bin oder was ich will. Oder was meine eigene Einstellung ist und was die meiner Eltern, die ich nur übernommen habe. Ich weiß gar nichts mehr und möchte gerade einfach nur noch verschwinden… Das ist doch zum Ko****…. -.-

Abstellgleis (oder Folgen des Briefs)

Eine Woche lang habe ich gewartet, dass meine Eltern etwas dazu sagen. Zu dem Brief, den ich ihnen hingelegt habe, bevor ich für einige Tage weg gefahren bin. Eine Woche lang hab ich mir Gedanken und Sorgen gemacht, die ganze Aktion abwechselnd bereut und für gut empfunden.
Bis Freitag Abend mein Vater dann fragte, wann ich am Wochenende da sei – Sonntag. Das war dann auch der Tag, an dem wir über den Brief gesprochen haben.
Ich schaffe es gerade nicht, den Inhalt des mehrstündigen Gesprächs zu wiederholen, und möchte aber dennoch darüber schreiben. Deshalb gibt es hier jetzt mal ein paar (abgewandelte) WhatsApp-Nachrichten, die ich einem Freund geschrieben habe.

Meine Eltern bleiben auf dem Standpunkt, dass es zu früh ist, sowas zu wissen und man mit 22 sowas nicht entscheiden kann und sollte. Und dass ich mal genauso viel Energie darein stecken sollte, mich in meinem Körper wohl zu fühlen, wie ich bisher reingesteckt habe in den trans*-Weg….
Und ich bin confused af und weiß überhaupt nicht mehr was und wer ich bin und ob ich nicht mir doch alles nur vorgespielt und eingeredet hab, um ein Ziel vor Augen zu haben.. Und ich hab deshalb jetzt Testo auch wieder abgesetzt.
Ich weiß halt nicht, ob 2 Jahre drüber nachdenken lange genug sind.. sie meinten, das ist es nicht
Und dass ich unabhängig von Anderen ich sein können muss. Also auf dem männlichen Spektrum sein und auftreten trotz weiblichem Körper..
[…]
Ja, kann gut sein, dass sie das wollen.. [mich bearbeiten und mir Sachen einreden, von denen sie glauben dass sie es besser wissen, weil sie älter sind, weil sie deine eltern sind.]
Ich weiß grad überhaupt nicht mehr, ob ich deren Meinung/Ansicht nur verinnerlicht habe, oder ob das auch meine Zweifel etc sind..
Sie meinten halt auch, dass ich mal raus soll und ins Ausland oder so und mich selbst finden. Und dass sie alles tun, damit ich glücklich werde. Und wenn es dann wirklich der Weg ist, dass sie dann zwar zu kämpfen haben werden aber ich den dann gehen soll, aber mir halt noch Zeit lassen. Und mir ganz sicher sein.. wo sie ja recht haben, aber ich war mir sicher – dachte ich zumindest…

So viel dazu.
Wie schon geschrieben, habe ich Testosteron am Sonntag wieder abgesetzt. Ich weiß gerade wirklich nicht mehr, wer ich bin und was ich möchte. Mit meinem Therapeuten habe ich gestern auch über all das gesprochen – ich weiß nicht, wie hilfreich es war. Momentan bereue ich es ein wenig, keinen trans*-erfahrenen Therapeuten zu haben, einfach deshalb, weil ich ihm z.B. das mit dem Testo Absetzen erklären musste (also, dass ich jeden Tag das Gel einreibe und das nun halt weg gelassen habe).
Ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht. Habe den Eindruck, um circa zwei Jahre zurück geworfen worden zu sein. Zu dem Zeitpunkt, wo ich die ganze trans*-Sache entdeckt habe und von „Das ist die Ursache aller Probleme“ über „Nein, ich will das nicht, ich bin nicht trans“ bis hin zu „Okay, dann ist das also so und ich muss lernen damit umzugehen“ gekommen bin.
Ich habe nicht das Gefühl, als könnte ich es durchhalten nochmal ein Jahr oder so zu warten und dann erst mit der Transition weiter zu machen. Andererseits denke ich mir aber auch, die Pause (oder ganze Aufhören??) macht einiges einfacher – z.B. den Familienurlaub (wenn ich dann kein Testo-Gel unbemerkt schmieren muss, wenn ich keine Angst vor einem plötzlich doch einsetzenden Stimmbruch haben muss), aber auch die Bachelorarbeit nächstes Semester (wenn Name und Erscheinungsbild übereinstimmen, wenn ich die Präsentation unter weiblichem Namen und mit weiblich klingender Stimme halten kann). Aber wirklich lebenswert fühlt sich das alles gerade nicht an… Eher wie Abstellgleis – ich warte dann mal darauf, dass ich endlich MEIN Leben leben kann und darf. Falls das jemals so eintreten wird(?). Momentan kämpfe ich mich nur von Morgen zu Abend, von Tag zu Tag, und bin froh darüber, wenn ich niemanden sehen muss und früh ins Bett gehen kann. Leben ist das nicht. Anders geht’s aber gerade auch irgendwie nicht. Auch aus Angst vor meinen Eltern, weil ich ihnen irgendwie zeigen möchte, dass das Gespräch sehr wohl bei mir ankam. Und weil ich selbst so verunsichert bin, dass ich Angst habe, den Weg zu bereuen, wenn ich jetzt die Hormontherapie weiter mache. Angst davor, dass die Entscheidung doch noch nicht ausgereift genug ist, und meine Eltern dann Recht behalten. Und ich dann irgendwie damit leben muss, mich doch als Frau zu fühlen, aber evtl. Bartwuchs und eine dunkle Stimme zu haben. Oder ein zweites Mal transitionieren muss.
Keine Ahnung… Ich weiß einfach gar nichts mehr und existiere momentan nur noch vor mich hin.

Und ich weiß nicht, ob überhaupt (und wenn ja, wann) noch ein Eintrag zum CSD-Köln-Wochenende kommt…

Angst.

Im Zug sitzen. Ryan Cassata und andere positiv-queere Musik hören. Jetzt schon meinen Haufen Einhörner vermissen. An Flughafen-Bahnhöfen halten und mit dem Gedanken spielen, auszusteigen und den nächstbesten Flug ans nächstbeste Ziel zu nehmen. Gegen Tränen ankämpfen. Die Magenschmerzen ignorieren. Versuchen durchzuatmen und nicht zu sehr an morgen zu denken. Nicht wissen, ob ich hoffen soll oder lieber die Hoffnung aufgeben. Gar nichts mehr wissen. Am liebsten umkehren. Weg fahren. Nie da ankommen, wo mein Bett steht. Angst, Panik haben. Nicht wissen, was mich erwartet. Es nicht wissen wollen. Das Gefühl, keine Kraft mehr zum Kämpfen zu haben.

Das ist mein Montagabend nach einem tollen Wochenende (zu dem hier demnächst wohl noch ein Post kommt).

Angst und Vorfreude

Morgen Früh, bevor ich das Haus verlasse und erstmal bis Montag Abend weg bin, werde ich meinen Eltern einen Brief hin legen mit einem letzten Outing-Versuch. Beziehungsweise eigentlich viel mehr dem Stand der Dinge.
Und ich hab jetzt schon Angst vor Dienstag, wenn ich meiner Mutter in der Früh gegenüber trete… Zum Glück hab ich vormittags dann einen Termin bei meinem Therapeuten.
Gerade fühl ich mich wie ein riesen Verräter und muss mich selbst daran erinnern, dass es sein muss, dass sie endlich wissen, was Sache ist.
Ich merke gerade, dass ich schon sehr an meiner Familie hänge und wohl doch nicht so gut damit klar käme, wenn sie mich (quasi) verstoßen, wie ich bisher immer behauptet habe. Klar, ich weiß dann, was Sache ist. Aber naja… Momentan hoffe ich (noch?), dass wir das alles irgendwie geregelt bekommen. Wird sich zeigen. Gut, dass ich die nächsten Tage über genügend Beschäftigung und Ablenkung habe.
Und jetzt geh ich erstmal schlafen, bevor es morgen dann zuerst in die Hochschule und nachmittags dann Richtung Köln geht.

Alles gut

Das letzte Tief war auch ziemlich schnell wieder vorbei – Montag Abend ging’s mir schon wieder um einiges besser und mittlerweile ist wieder alles gut.
Dass die Tiefs in letzter Zeit nie lange andauern, schiebe ich jetzt einfach mal auf Testo. Aber egal, was daran „schuld“ ist, ich finds gut so 🙂

Ich habe beschlossen, dass ich mit meiner Familie doch zusammen in den Urlaub fahre bzw. dann nach komme für eine Woche und ein paar Tage. Auch wenn ich nicht weiß, wie die Stimmung sein wird, möchte ich eigentlich nicht auf was verzichten, nur, weil andere Menschen mit mir evtl. nicht so ganz klar kommen. Mal sehen, wie das wird.
Eigentlich habe ich auch vor, mich vor dem Urlaub im August, nochmals bei ihnen zu outen und klar zu sagen, was Sache ist. Sprich, dass ich mit der Hormontherapie angefangen habe, und den Weg gehen werde ohne mir von ihnen oder irgendjemand anders rein reden zu lassen. Und dass ich den Weg gehe, weil es mir gut tut – und nicht, weil ich irgendjemanden ärgern oder jemandem schaden will oder so.

Morgen (bzw. heute nach einem Blick auf die Uhr) bin ich dann genau einen Monat auf Testosteron. Naja, nicht ganz, da ich insgesamt 3 Tage ausgesetzt habe. Aber vor einem Monat habe ich zum ersten Mal gegelt. Die Zeit vergeht ziemlich schnell. Veränderungen spüre ich noch nicht wirklich, aber das ist auch völlig okay so. Auch wenn ich teilweise etwas ungeduldig bin und v.a. auf den Stimmbruch warte, brauch ich doch noch etwas Zeit um mich daran zu gewöhnen, dass jetzt wirklich was passieren kann und wird. Und psychisch bemerke ich ja durchaus schon was.

Also, momentan ist alles soweit gut – ich versuch den Sommer zu genießen und nebenher zu lernen (Prüfungszeit) und freu mich auf nächstes Wochenende, wo ich in Köln auf dem CSD sein werde, und davor/währenddessen/danach ein paar wundervolle Menschen (wieder) sehen werde 🙂