Blut geleckt

Die Wände rücken immer näher während ich das Gesicht in den Kissen vergrabe, mir die Ohren zu halte und laut schreien möchte, aber nur ein durch Weich ersticktes Stöhnen hervor kommt. Ich warte darauf, dass die Decke endlich herunter fällt und mich erschlägt. Aber stattdessen sitzt nur ein monströser Elefant auf meinem Brustkorb während das Ungeheuer mein Herz zerdrückt, aber nicht ausreichend zum Gehen, sondern nur gerade so viel, dass es schmerzt äußerst unangenehm ist und ich schreien möchte, aber stumm bleibe und an scharfes Metall denke.

Der eine Strich hat nicht gereicht, ich habe Blut geleckt und lechze nach mehr. Möchte meinen Kopf zu einer Papierkugel zerknüllen und in den Müll Kamin werfen, für immer weg. Aber drücke mir die Daumen in die Augen und rolle mich zusammen.

Das wird schon wieder nie komplett weg gehen und ich schaffe das bin es leid zu kämpfen.

(Un?)Vernunft?

Ich habe mir 4 Tage frei genommen, weil es grad eh nur eine Schicht und wenig zu tun gibt. Und weil ich schon seit ein paar Wochen das Gefühl habe, dringend mal wieder ein paar Tage frei zu brauchen.

Aber jetzt weiß ich doch wieder nichts mit mir anzufangen. Schiebe die sich ansammelnden Punkte auf meiner To-Do-Liste weiter vor mir her und schlage die Stunden tot bis ich wieder schlafen gehen kann.

Und wünsche mir einerseits, nicht frei genommen zu haben, aber habe andererseits Angst vor Freitag, wenn ich wieder zurück in die Arbeit muss. Okay, das ist eine online Schulung, zu der ich mehr oder weniger gezwungen wurde und auf die ich absolut keine Lust habe. Genauso wenig wie auf die noch länger dauernde Fortsetzung am Montag und Dienstag…

Ist das alles nur ganz normales Erwachsen- und berufstätig-Sein?

All dieses „30 Tage Urlaub ist viel zu wenig Freizeit“ und im-August-noch-immer-20-Tage-Urlaub-übrig-haben… Die „Angst“ vor Montag bzw. Urlaubsende, die Unlust auf Urlaub, der Griff zur Bierflasche, der Blick auf die Anzeige der Wage, die Schüssel voll Chips gefolgt von der selben Menge Eis und zu vielen Milchschnitten, der Salat als Hauptmahlzeit… Die Flucht in Netflix-Serien.

Das Chaos und Durcheinander.

Oder der (geradlinigste?) Weg zum Burn-Out und Zusammenbruch?

Light at the end of the tunnel

It’s already after midnight when I hop on my bike and start my way home from a friend’s small party with more than two households.

I can feel the warm summer air on my bare legs and the airflow in my face.

As I pass several groups of laughing people out in the night, I can’t stop myself from smiling. Not even the people walking on the cycle lane are annoying me.

I feel a deep sense of happiness.

I feel alive.

I feel free.

I feel hope. Hope that there finally will be more again than just working and sleeping.

And I swear to myself that I will enjoy life as much as I possibly can. That I will start to worry less about being tired at work.

That I will truly live this life as it’s the only one I got. And that I don’t only want to spend it working and worrying (about work) and regretting the things I haven’t done, the chances that I haven’t taken, the experiences I’ve missed, the hours I’ve wasted being afraid of mights and perhaps’s

I feel hope.

20210523

Mit voranschreitender Stunde ziehen vage Schemen alter Gedanken auf wie Wolken am Nachthimmel. Es wird heller, doch die Dämmerung rührt nur von der durch Lichtverschmutzung erhellten Wolkendecke. Der Blick in den grauen Nachthimmel ist erdrückend, von der endlosen, mit Sternen durchzogenen Weite ist nichts mehr übrig. Jegliche Leichtigkeit ist abhanden gekommen während das unheilvolle Grau sich immer enger um mein Herz schließt und der Atemluft schneller Sauerstoff entzieht als nachfließen kann. Fast schon erkenne ich das heller Werden am östlichen Horizont, doch dann wird es schlagartig schwarz.

Und ich falle.

Durch verschiedenste Welten.

Eine scheinbar endlose Ewigkeit.

Bevor ich mich kaltschweißig zwischen zerwühlten Laken wiederfinde.

20210503

Langsam legt sich ein schwarzes Samttuch über mich und schluckt den Schall, während im Inneren ein Unwetter tobt, das sich nicht entladen kann. So muss eine Gewitterwolke sich fühlen, die nicht regnen kann.

Die Lyrics werden wichtiger als die Musik selbst. Ich ertappe mich, wie ich für einige Kilometer den Bezug zur Umgebung verliere und einfach fahre. Der Automatismus folgt der Straße um die Kurve und hält mich in der Spur.

Abends verliert er sich, ich greife zur Bierflasche. Jetzt hat das leicht benebelte Gefühl zumindest eine Begründung.

Ich schwanke. Vom Sofa in die Küche. Von der Realität ins Nichts. Und möchte mehr. Zähle die Stunden bis ich wieder hier sein muss. Zu wenig, um zu gehen. Zu viele, um zu bleiben. Im Zwischenzustand verweilend hoffe ich auf Besserung, obwohl ich weiß, dass eben diese allein bei mir liegt. Aber woher nehmen?

Noch gestern erzählte ich dir, ich sei stabil, aber da waren die Nächte gnädig zu mir. Und jetzt zweifel ich Montagabend an dem Rest der Woche.

Ich hole tief Luft, schaue tiefer ins Glas, vergrabe es – alles – tiefer in mir, stehe auf, klopfe den Staub ab, versinke tiefer in mir. Noch habe ich knapp 12 Stunden zum Verlieren, 12 Stunden zum real sein, 12 Stunden zum… nicht funktionieren.

Und die werde ich auch nützen. Destruktivität, ich komme. Irgendeinen Ausgleich braucht jede_r.

Und es regnet. In Strömen. Aber die Spannung bleibt erhalten.

20210418

Triggerwarnung: suiz. Gedanken etc.

Zum wiederholten Mal spiele ich mit dem Gedanken, morgen meinen Hausarzt zu bitten, mich krank zu schreiben. Aber dann müsste ich mir eingestehen, dass es wirklich nicht mehr geht. Und meine Kolleg:innen würden das auch mitbekommen. Und außerdem weiß ich nicht, wie das mit den online Sprechstunden abläuft und wie ich dann zur Krankschreibung komme und wie die dann zu meinem Arbeitgeber kommt. Und v.a. wann. Weil wir diese beschissene Regel haben, ab dem ersten Tag eine ärztliche Krankschreibung zu brauchen, die spätestens am dritten Tag dem Arbeitgeber vorliegen muss. Und ich hab keine Ahnung, wie ich das machen sollte. Oder ob ich doch in die Praxis fahren müsste, aber dann müsste ich dem Arzt direkt von Angesicht zu Angesicht sagen, was los ist. Okay, müsste ich sowieso. Aber was sage ich dann? Dass ich mit dem Gedanken spiele, mich umzubringen es mir einfach nur beschissen geht?? Oder doch irgendwas körperliches erfinden?

Oder doch gleich in die psychiatrische Notaufnahme? Und zumindest für ein paar Tage nicht auf mich selbst aufpassen müssen. Und jemanden zum Reden haben. Aber wie läuft das ab? Was brauchen die von mir? Worauf muss ich achten? Wie machen die das mit Corona? Und bestimmt würden die mich eh gleich wieder heim schicken.

Außerdem kann ich mir dann die Berufsunfähigkeitsversicherung gleich komplett abschminken. Ist eh schon schwer genug, da eine zu finden, die mich versichern würde. Also kein Hausarzt, keine Krankschreibung, kein Bezirkskrankenhaus.

Sondern einfach gar nichts. Und ganz normal zur Arbeit gehen, mich nicht so anstellen. Weil eigentlich geht es mir doch gar nicht so schlecht. Wahrscheinlich geht es jedem so. Die Pandemie schlägt einfach auf die Stimmung, und andere stellen sich auch nicht so an.

Weil eigentlich geht es mir doch gut. Ich schaffe es ja sogar noch, mir was zu kochen und ausreichend zu trinken und zu duschen (wenn am nächsten Tag Arbeit ist) und rechtzeitig aufzustehen und einkaufen zu gehen. Und zu arbeiten.

Gibt keinen Grund, Arbeit zu schwänzen oder gar in der Psychiatrie einen Platz wegzunehmen, den andere viel dringender bräuchten.

Oder ich verlass dieses Leben halt einfach gleich…?

20210416

CN: Alkohol, Pandemie

Freitagabend.
Nach einer irgendwie scheiß Woche. Wobei… eigentlich, ganz objektiv betrachtet, war es eine sehr normale Arbeitswoche. Die sich angefühlt hat wie mehrere Wochen.

Ich hatte mich auf den Spieleabend gefreut, den wir von letztem Freitag auf heute verschoben haben. Dachte ich. Aber scheinbar dachte nur ich das.

Und nachdem ich 15 Minuten alleine im Sprachkanal verbracht habe, hab ichs auch verstanden. Scheinbar bin nur ich einsam und würde den Spieleabend gern nachholen.

Und so hole ich mir noch ein Glas Alkohol. Ich muss ja erst am Montag wieder fit sein, um für die Arbeit zu funktionieren. Bis dahin kann ich mich ja abschießen, um dieses Leben, das nur noch aus Arbeiten besteht,  zumindest einige Stunden zu vergessen.

Und diese Wut zu ertränken.

Wut darauf, dass ich seit über einem Jahr weiterhin zur Arbeit gehen muss und dort täglich 10+ Menschen treffe (oft ohne Sicherheitsabstand und/oder Maske), aber nicht zwei Freunden gleichzeitig treffen darf. Oder Tischtennis spielen, wo eine verdammte 2.7m lange Platte zwischen zwei Spieler:innen ist. Oder um 22:30 Uhr komplett alleine spazieren gehen.

Und so ist es Freitagabend 19:30 Uhr und ich wäge ab, welcher der destruktiven Gedanken am wenigsten (bleibenden) Schaden anrichten wird. Denn andere Gedanken finden ihren Weg nicht zu mit.

20210324

Mit leerem Blick an die Decke, ohne zu blinzeln, bis alles verschwimmt hinter einem Tränenschleier.
Und aus dem Nichts noch weniger wird.
Mein Herzschlag in meinen Ohren wummert, ein Zeichen, dass ich wohl doch noch lebe.

Und wenn ich die Augen schließe, wird dann alles für einen Moment gut sein?
Und wenn ich nicht schlafen gehe, bricht dann der Morgen nicht ein?

20210120

Und dann finde ich mich selber in der Ecke wieder. Den Blick gegen die Wand, verschlossene Boxen, die Unheil verheißen. Ineinander wie Matroschkas, deren Inhalt von innen nach außen langsam überquillt, sich immer weiter vermischt und die Hüllen zerstört. Bis auch die Äußerste die Spannung nicht mehr aushält und birst, der zäh-brodelnde Mischung den Weg freimacht. Ich kralle mich in die Ecke, die keinen Halt bietet, sondern mir nur die Fingerkuppen aufreißt. Und statt einfach zu gehen (aber wohin?) warte ich darauf, dass der Pegel steigt und die nächste über mich hinwegrollende Welle mir den Boden unter den Füßen weg reißt, bis ich ein paar Tage weiter wieder aufschlage und fieberhaft die verstreuten Stücke einsammle, um zumindest die äußerste Hülle wenigstens notdürftig wieder zusammen zu setzen.